Weidezeiten

   24. April 2012   Keine Kommentare zu Weidezeiten

Die Krankheiten, wie Hufrehe oder EMS, die aus der Beweidung von für Pferden ungeeigneten Koppel resultieren nehmen zu. Ich hab mich inzwischen etwas näher mit der Thematik beschäftigt, da meine zu Stoffwechselstörrungen tendiert. Letztes Jahr standen wir noch in einem Stall mit zu wenig Koppel die fast ganzjährig beweidet wurden. Das Ergebnis waren Koppeln die bis auf die Grasnarbe abgefressen waren und einen Kleeanteil von über 50% aufwiesen. Viele denken leider das auf solchen Wiesen ja nichts mehr drauf wäre und es grad gut wäre, aber das ist ein fataler Irrtum, denn Fruktan bildet sich hauptsächlich in den Stengeln und bei Stress, also Verbiss und bestimmten Wetterwechseln. Fruktan ist letzlich nichts anderes als Fructose, also Zucker. Ein rehegefährdetes Pferd auf eine abgefressene Wiese zu stellen ist wie ein übergewichtiges Kind in einen Süßwarenladen einzusperren. Meine Stute wurde auf dieser abgefressenen Koppel regelrecht fett mit Einlagerungen im Mähnenkamm und am Euter.

Wir haben unsere Weidezeiten geändert. Vorsichtiges Anweiden im Frühjahr ist eh selbstverständlich. Zudem kommen sie nur auf Koppeln deren Gras mindestens 10 cm lang ist. Das bisherige Ergebnis: trotz Koppelgang und Heu zur freien Verfügung sind die Pferde schlank und gesund! Ich habe eine kurze PDF erstellt. Ideal für den Stallaushang, gerade wenn mehrere Menschen die Pferde versorgen ist es gut soetwas wie Richtlinen zu haben anhand dessen man entscheiden kann, ob die Pferde auf die Koppel dürfen oder nicht.

Was ist Fruktan?
Fruktan ist ein wasserlösliches Zuckermolekül und zählt zu den Kohlenhydraten. Grundelement ist Fruchtzucker (Fructose), der sich zu langen, kettenförmigen Molekülen verknüpft (Polysaccharid/Mehrfachzucker). Fruktan wird vom Gras gespeichert, wenn ein Überschuss an Energie vorhanden ist. Dies ist besonders der Fall, wenn viel Sonnenlicht auf das Gras einwirkt, gleichzeitig aber die nötige Wärme fehlt, die für das Wachstum wichtig ist. In diesem Fall speichert die Graspflanze vermehrt Fruktan, besonders in der Wurzel und den Stängeln, weniger in den Blättern. Ein solcher Fall liegt beispielsweise vor, wenn im Frühjahr oder Spätherbst die Sonne scheint, die Temperatur tagsüber aber nicht über 6 °Celsius steigt. Fruktan dient in Pflanzen neben anderen Funktionen (z.B. Frostschutz) also als kurzfristiger Energiezwischenspeicher. Die Gräser speichern aber auch vermehrt Fruktan, wenn sie unter «Stress» stehen, also von den Pferden ständig abgefressen und kurz gehalten werden oder wenn man sie für die Heuernte beziehungsweise Weidepflege regelmässig abmäht. Der Fruktangehalt sinkt, wenn die Pflanze ungehindert wachsen kann und die gespeicherte Energie dafür verbraucht. In einigen Gräsersorten, die die Grundlage für Grassilagen und «hochwertiges» Heu bilden, wie beispielsweise das häufig vorkommende Weidelgras, ist der Anteil von Fruktan besonders hoch.

Was bewirkt Fruktan?
Höhere Mengen von Fruktan werden im Magen und Dünndarm des Pferdes nicht ausreichend umgewandelt und gelangen in den Dickdarm. Dieser ist jedoch für die Verarbeitung einer solchen Menge nicht «ausgerüstet» und entwickelt übermäßig viele unerwünschte und säurebildende Bakterien. Das führt zu einer Übersäuerung des Darmklimas und damit zu einem hohen Absterben von (anderen) Nutzbakterien. Beim Tod dieser Bakterien werden dann in den Zellwänden befindliche Giftstoffe freigesetzt (die normalerweise verkapselt sind) und dringen durch die Darmwand in den Blutkreislauf. Nach 40 bis 48 Stunden im Huf angekommen lösen sie eine verhängnisvolle Reaktion aus. Es entstehen große Mengen feinster Blutgerinnsel, die sich bevorzugt in den Blutgefäßen der Huflederhaut festsetzen, was zu Mangeldurchblutungen führt.
Quelle: Dr. Birgit van Damsen

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