Raus in die weite Welt

   2. September 2012   Keine Kommentare zu Raus in die weite Welt

Wir sind das erste Mal mit Amoroso spazieren gegangen. Wie leider so oft wurde auch bei ihm die Ausbildung auf Halle und Viereck beschränkt. Wir halten es da mit Udo Bürger (Der Reiter formt das Pferd) und denken das es für ein junges Pferd extrem wichtig ist raus ins Gelände zu kommen.

„Das Bummeln im Gelände ist für alle Pferde, die ja in der Jugend an Weidegang gewöhnt sind, das Natürliche. Das soll man ausnutzen und anfangs möglichst viel draußen reiten und zwar querfeldein auch in schlechten, löcherigen und hügeligem Gelände. Dadurch wird das Pferd gezwungen, auf den Boden und die Umgebung zu achten, und wird den leicht einsitzenden, nicht störenden Reiter in Kauf nehmen, ohne ihn als einen Zwang zu empfinden.“ … „Die folgende Zeit dient der Förderung des Muskelwachstums durch lange Ritte im Gelände. Diese allgemeine Kräftigung erleichtert die spätere Dressur, denn ein großer Teil der Schwierigkeiten, die der Rücken und insbesondere die Hinterhand wegen ungenügender Kraft bieten, tritt nicht mehr auf.“
Udo Bürger, Otto Zietzschmann, Der Reiter formt das Pferd, FNverlag, Warendorf 2007, S. 88

In Amorosos Fall natürlich erst mal an der Hand und mit Fine als sicheres Begleitpferd. Er war anfangs etwas unruhig und hat etwas vor sich hin gebrummelt, interessierte sich aber schnell für die Umgebung. Er lief locker, schnaubte entspannt ab und schaute sich alles interessiert an. Er genoss sichtlich den Perspektivenwechsel, weg von der Begrenzung der Koppel hin zur freien Landschaft.

Erst haben wir ihn hinten gehen lassen dann ist Friedl mit ihn vorweg gegangen. Das synchrone Anhalten müssen wir noch etwas üben ;-). Ab und an wurde er etwas zackelig weil er Lust hatte zu laufen, ließ sich aber leicht händeln.
Nach etwa der Hälfte der Strecke wurde er plötzlich völlig unleidlich, legte die Ohren an, zog die Nüstern hoch und machte den Eindruck als wollte er jeden Augenblick beißen. Der Auslöser war für uns nicht auszumachen. Aus Berichten der Vorbesitzerin ist bekannt das er als Junghengst beim Führen öfter gestiegen und gebissen hat und sich halt insgesamt wie ein Halbstarker gebärdet hat. Wir können nur vermuten, dass er sich daran erinnert hat und Maßregelungen und Bestrafungen erwartet oder mit dem Führen verbunden hat. Meines Erachtens führt gerade bei so übersensiblen Pferden eine vorweggenommene Bestrafung zu einer sehr nachhaltigen Verstimmung. Blüter verzeihen Ungerechtigkeiten nur selten.

Ein im Stall brummender Bulldog und muhende Kühe haben ihn dann auf dem letzten Stück erfolgreich abgelenkt. Er ist dann wieder völlig brav neben Friedrich her getrottet. Insgesamt war er sehr brav und auch recht unerschrocken was Planen und andere Ungeheuer angeht. Ihm war natürlich auch noch neu dass es unweigerlich zum trauten Heim zurück gehen würde. Er versteht natürlich noch nicht den Sinn der Aktion. Kommt schon noch …

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